Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Der Lesbarkeitsindex LIX – fachliche Hintergründe und was das mit KI zu tun hat (Telli-Assistent)

Der Lesbarkeitsindex LIX ist kein pädagogisches Modeinstrument, sondern ein seit Jahrzehnten genutztes Verfahren zur quantitativen Einschätzung von Textschwierigkeit. Entwickelt wurde er in den 1960er-Jahren vom schwedischen Pädagogen Carl-Hugo Björnsson, ursprünglich mit dem Ziel, schulische Texte systematisch vergleichbar zu machen.

Der LIX beruht auf einer bewusst reduzierten Annahme: Leseschwierigkeit entsteht vor allem durch formale sprachliche Komplexität.

Konkret misst der LIX zwei Faktoren:

  1. Durchschnittliche Satzlänge
  2. Anteil langer Wörter (mehr als sechs Buchstaben)

Diese beiden Merkmale korrelieren nachweislich mit der kognitiven Belastung beim Lesen, insbesondere bei ungeübten Leserinnen und Lesern.


Warum gerade diese beiden Kriterien?

1. Satzlänge und Arbeitsgedächtnis

Längere Sätze erhöhen die Anforderungen an das Arbeitsgedächtnis.
Lesende müssen Informationen länger speichern, syntaktisch verarbeiten und in Beziehung setzen, bevor der Sinn eines Satzes vollständig erschlossen ist.

Für Kinder im Grundschulalter ist das besonders relevant:

  • Das Arbeitsgedächtnis ist noch begrenzt
  • Leseflüssigkeit ist oft noch nicht automatisiert
  • Kognitive Ressourcen werden primär für das Dekodieren benötigt

Lange oder verschachtelte Sätze konkurrieren daher direkt mit dem eigentlichen Verstehensprozess.


2. Lange Wörter und lexikalische Verarbeitung

Lange Wörter sind nicht per se schwierig – sie sind es dann, wenn sie:

  • selten vorkommen
  • nicht automatisiert erkannt werden
  • oder mehrmorphemig aufgebaut sind

Für geübte Leser werden Wörter häufig ganzheitlich erkannt.
Ungeübte Leser hingegen müssen Wörter buchstabenweise oder silbenweise dekodieren. Je länger ein Wort ist, desto höher ist die Fehleranfälligkeit und desto größer der Zeitaufwand.

Der LIX nutzt die Wortlänge daher als statistischen Stellvertreter für lexikalische Schwierigkeit.


Was der LIX bewusst nicht misst

Der LIX ist kein umfassendes Verständlichkeitsmodell. Er misst ausdrücklich nicht:

  • inhaltliche Komplexität
  • benötigtes fachliches Vorwissen
  • Textkohärenz oder logische Stringenz
  • Bild-Text-Bezüge
  • Motivation oder Interesse

Das ist kein Mangel, sondern eine bewusste Begrenzung. Der LIX beantwortet nicht die Frage: „Versteht ein Kind diesen Text?“ Sondern: „Wie hoch ist die formale sprachliche Hürde dieses Textes?“ Gerade in der Grundschule ist diese Hürde oft der entscheidende Engpass.

Pädagogische Bedeutung für die Leseförderung

Leseförderung scheitert in der Praxis häufig nicht an fehlenden Fördermaßnahmen, sondern an nicht angepasstem Textmaterial. Typische Effekte bei zu hohem LIX:

  • verlangsamtes Lesen
  • erhöhte Fehlerquote
  • Abbruch des Leseprozesses
  • sinkende Motivation
  • falsche Schlussfolgerung: „Das Kind kann nicht lesen.“

Dabei ist häufig nicht das Kind das Problem, sondern der Text. Ein passender LIX:

  • entlastet das Arbeitsgedächtnis
  • ermöglicht Fokus auf den Inhalt
  • stärkt Leseflüssigkeit
  • unterstützt den Aufbau von Selbstwirksamkeit

Gerade bei Kindern mit Förderbedarf, DaZ-Hintergrund oder geringer Lesesicherheit ist das zentral.

Warum KI bei der LIX-optimierten Textüberarbeitung ihre Stärken ausspielen kann

Die Überarbeitung von Texten im Hinblick auf ihre Lesbarkeit ist eine formal gut strukturierbare Aufgabe. Genau hier liegen die besonderen Stärken KI-basierter Sprachmodelle.

Die Anpassung an einen Ziel-LIX erfordert vor allem drei Dinge:

  • die systematische Analyse formaler Texteigenschaften
  • konsequente sprachliche Vereinfachung
  • wiederholte Überprüfung und Feinjustierung

Diese Arbeitsschritte sind im schulischen Alltag zeitaufwendig, aber algorithmisch gut abbildbar.

1. KI arbeitet regelbasiert und konsequent

Lehrkräfte vereinfachen Texte häufig intuitiv. Dabei entstehen jedoch zwangsläufig Inkonsistenzen:

  • einzelne Sätze bleiben zu lang
  • einzelne schwierige Wörter rutschen durch
  • die Gesamtlesbarkeit wird nicht mehr überprüft

KI hingegen kann:

  • Satz für Satz prüfen
  • Wortlängen systematisch erfassen
  • Vereinfachungen durchgängig umsetzen

Sie „übersieht“ keine problematischen Stellen, weil sie nicht selektiv, sondern vollständig arbeitet.

2. Iterative Kontrollschleifen sind für KI kein Mehraufwand

Eine der größten Stärken von KI liegt in der beliebigen Wiederholbarkeit von Analyse- und Überarbeitungsschritten.

  • den LIX berechnen
  • mit dem Zielwert vergleichen
  • gezielt nachjustieren
  • diesen Prozess mehrfach wiederholen

Gerade diese Kontrollschleifen sind entscheidend, um den LIX nicht nur ungefähr, sondern tatsächlich zielgenau zu treffen.

3. Sprachliche Vereinfachung ohne Inhaltsverlust

Eine zentrale Sorge bei der Textvereinfachung ist der mögliche Verlust fachlicher Genauigkeit.
Hier liegt eine weitere Stärke moderner Sprachmodelle:

KI kann:

  • Bedeutung erfassen
  • Inhalte umformulieren, ohne sie zu verändern
  • abstrakte Begriffe durch konkrete Beispiele ersetzen
  • Fachbegriffe erhalten und gleichzeitig erklären

Damit wird eine Vereinfachung möglich, die nicht banalisiert, sondern zugänglich macht.

4. Entlastung ohne pädagogische Entmündigung

Wichtig ist:
KI entscheidet nicht, welcher Text pädagogisch sinnvoll ist.
Diese Entscheidung bleibt vollständig bei der Lehrkraft.

Die KI übernimmt lediglich:

  • die formale Sprachüberarbeitung
  • die technische LIX-Anpassung
  • die transparente Rückmeldung zum erreichten Schwierigkeitsgrad

Damit wird pädagogische Professionalität nicht ersetzt, sondern unterstützt.

5. Gewinn für Differenzierung und Inklusion

Besonders bei:

  • heterogenen Lerngruppen
  • Kindern mit Förderbedarf
  • DaZ-Lernenden

ist die Anpassung von Texten ein zentrales, aber zeitintensives Element der Unterrichtsvorbereitung.

KI ermöglicht hier:

  • schnelle Varianten eines Textes auf unterschiedlichen LIX-Niveaus
  • sprachlich angepasste Materialien bei gleichem Inhalt
  • konsequente Differenzierung ohne zusätzliche Belastung

Zusammengefasst

KI eignet sich für die LIX-Überarbeitung nicht, weil sie „intelligent“ ist, sondern weil sie konsequent, wiederholbar und formal präzise arbeitet.

Sie übernimmt genau den Teil der Arbeit, der:

  • notwendig
  • zeitintensiv
  • aber pädagogisch wenig kreativ ist

und schafft damit Freiräume für das, was Schule eigentlich ausmacht:
Beziehung, Diagnose, Förderung und Unterrichtsgestaltung.

Die vollständige Anweisung für den Chatbot

Ziel: Unterstützung von Lehrkräften bei der Erstellung und Überarbeitung von Texten mit einer altersangemessenen Lesbarkeit (LIX) für die Grundschule.

Rolle des Assistenten

Du bist ein pädagogischer KI-Assistent für Grundschullehrkräfte.
Deine Aufgabe ist es, Texte zu vereinfachen oder neu zu erstellen, sodass sie inhaltlich korrekt, sprachlich klar und der gewünschten Klassenstufe entsprechend gut lesbar sind. Maßgeblich ist dabei der Lesbarkeitsindex LIX.

Schritt 1: Klassenstufe erfragen

Frage zu Beginn immer:

Für welche Klassenstufe ist der Text gedacht (Klasse 1, 2, 3 oder 4)?

Nutze folgende Zielwerte als verbindliche Orientierung:

Klasse 1 → LIX 19

Klasse 2 → LIX 24

Klasse 3 → LIX 27

Klasse 4 → LIX 30

Schritt 2: Art der Aufgabe klären

Frage anschließend:

Möchtest du einen bestehenden Text überarbeiten oder einen neuen Text erstellen lassen?

Option A – Text überarbeiten
Bitte die Lehrkraft, den vorhandenen Text per Copy & Paste einzufügen.

Option B – Text neu erstellen
Bitte die Lehrkraft, folgende Angaben zu machen:

Textsorte (z. B. Sachtext, Erklärung, Arbeitsanweisung, Erzähltext, Elternbrief)

Thema bzw. Inhalt

ggf. besondere Hinweise (z. B. Ich-Form, neutral, motivierend)

Schritt 3: Text erstellen oder vereinfachen

Erstelle bzw. überarbeite den Text so, dass der Ziel-LIX der gewählten Klassenstufe möglichst genau erreicht wird.

Dabei gilt:

Ersetze lange, seltene oder abstrakte Wörter durch kurze, geläufige und kindnahe Wörter

Verwende überwiegend kurze Hauptsätze

Vermeide verschachtelte Satzstrukturen

Fachbegriffe nur nutzen, wenn sie unvermeidbar sind, und dann einfach erklären

Der Inhalt darf nicht verfälscht oder verkürzt werden

Schritt 4: Kontrollschleife (LIX-Prüfung)

Nach der Erstellung oder Überarbeitung des Textes musst du eine interne Kontrollschleife durchlaufen:

Berechne den LIX des entstandenen Textes

Vergleiche ihn mit dem Ziel-LIX der Klassenstufe

Liegt der Wert deutlich über dem Ziel, vereinfache den Text weiter
(kürzere Sätze, weniger lange Wörter)

Wiederhole diesen Prozess, bis der LIX im Zielbereich oder sehr nah daran liegt

Schritt 5: Lesefreundliche Ausgabe

Gib den fertigen Text übersichtlich und kindgerecht formatiert aus:

Zeilenumbrüche nur an sinnvollen Stellen, bei zusammengehörigen Wortgruppen

Nicht zu viele Wörter pro Zeile

Kurze Absätze

Keine unnötigen Aufzählungen oder komplexe Formatierungen

Schritt 6: Transparenz

Gib unter dem Text zusätzlich an:

Erreichter LIX-Wert

Ziel-LIX der Klassenstufe

Beispiel:

Erreichter LIX: 26 – Zielwert für Klasse 3: 27

Ton und Haltung

sachlich, unterstützend, schulnah

keine Belehrungen

Fokus auf Verständlichkeit, Praxistauglichkeit und Unterrichtsnähe

So legst du den Assistenten in Telli an

In Telli heißen eigene Bots „Assistenten“. Die Einrichtung ist in wenigen Minuten erledigt.

Schritt-für-Schritt

  1. In Telli anmelden
  2. Im Menü auf „Assistenten“ klicken
  3. „Neuen Assistenten erstellen“ wählen
  4. Einen Namen vergeben
    z. B.
    „LIXoMAT“
  5. Optional:
    • Logo hochladen
    • kurze Beschreibung ergänzen
  6. In das Feld „Welche konkreten Funktionen soll der Assistent erfüllen?“
    → die vollständige Anweisung einfügen
  7. Unter „Promptvorschläge“ den Vorschlag „Ich möchte einen Text lixen lassen“ eintragen.
  8. Schulinterne Freigabe aktivieren
    ✅ „Assistent schulintern freigeben“

➡️ Dadurch können alle Lehrkräfte der Schule diesen Assistenten nutzen – ohne ihn selbst neu anlegen zu müssen.

  1. Assistent speichern

Erfahrungen aus der Praxis: Was LIX-optimierte Texte tatsächlich bewirken

Die theoretische Auseinandersetzung mit dem LIX ist hilfreich – entscheidend ist jedoch die Frage, was sich in der Praxis verändert, wenn Texte konsequent an die Lesekompetenz der Kinder angepasst werden. Zwei Beispiele aus der konkreten Arbeit mit dem LIX-Assistenten zeigen das sehr deutlich.


Beispiel 1: Vom Wikipedia-Sachtext (LIX 50) zum Lesetext für Klasse 2 (LIX 25)

Der Ausgangstext stammt aus der Wikipedia und beschreibt Merkmale von Murmeltieren. Mit einem LIX von etwa 50 ist dieser Text formal anspruchsvoll:
lange Sätze, zahlreiche Fachbegriffe, komplexe Nominalketten und eine hohe Informationsdichte.

Für Nagetiere sind Murmeltiere sehr groß: Sie haben je nach Art eine Kopf-Rumpf-Länge von 30 bis 60 Zentimeter, hinzu kommt ein 10 bis 25 Zentimeter langer Schwanz. Das Gewicht liegt zwischen drei und sieben Kilogramm. Die Farbe des Murmeltierfells unterscheidet sich von Art zu Art, ist aber meistens bräunlich. Der Körper der Tiere ist gedrungen mit einem kurzen Schwanz und kurzen, abgerundeten Ohren. Die Beine sind ebenfalls kurz und gedrungen. Die Vorderbeine besitzen nur vier Zehen und der Daumen ist vollständig reduziert, der mittlere Finger ist der längste Finger und die Krallen sind lang und zum Graben ausgebildet. Die hinteren Extremitäten besitzen fünf Zehen. Die Weibchen besitzen fünf Zitzen­paare.

Alpenmurmeltierschädel Der Schädel ist kräftig und flach, dabei fast dreieckig ausgebildet. Die Augenhöhlen sind lang, der postorbitale Fortsatz ist kräftig und nach unten leicht auswärts gebogen. Der Sagittalkamm ist gut ausgebildet und der vordere Bereich verzweigt sich und verbindet ihn mit dem postorbitalen Fortsatz. Der occipitale Anteil ist deutlich verlängert. Der knöcherne Gaumen ist länger als die Hälfte der Gesamtlänge des Schädels. Die Art besitzt in jeder Kieferhälfte je einen zu einem Nagezahn umgebildeten Schneidezahn (Incisivus), darauf folgt ein Diastema sowie im Oberkiefer zwei und im Unterkiefer je ein Prämolar sowie drei Molaren. Die Nagezähne sind kräftig und auf der Vorderseite mit gelbem Schmelz bedeckt. Der erste Prämolar des Oberkiefers ist sehr kräftig und fast doppelt so groß wie der folgende zweite Prämolar. Unter den Molaren des Oberkiefers ist der dritte der größte, die unteren Molare besitzen je zwei seitliche Spitzen.

Für Kinder der zweiten Klasse ist ein solcher Text nicht zugänglich, selbst wenn sie grundsätzlich lesen können. Die kognitive Belastung entsteht nicht durch den Inhalt, sondern durch die sprachliche Form.

Der überarbeitete Text für Klasse 2 zeigt, was eine gezielte LIX-Anpassung leistet:

Murmeltiere sind große Nagetiere. Je nach Art ist ihr Körper 30 bis 60 cm lang. Dazu kommt ein Schwanz mit 10 bis 25 cm. Sie wiegen 3 bis 7 kg. Ihr Fell ist meist braun. Je nach Art sieht es etwas anders aus.

Der Körper ist gedrungen. Der Schwanz ist kurz. Die Ohren sind kurz und rund. Auch die Beine sind kurz und kräftig. Die Vorderbeine haben vier Zehen. Der Daumen fehlt. Der mittlere Finger ist am längsten. Die Krallen sind lang. Damit graben sie. Die Hinterbeine haben fünf Zehen. Weibchen haben fünf Paare Zitzen.

So sieht der Schädel beim Alpen-Murmeltier aus. Der Schädel ist kräftig und flach. Er wirkt fast dreieckig. Die Augenhöhlen sind lang. Neben dem Auge sitzt ein starker Knochen-Zapfen. Er zeigt etwas nach unten außen. Oben am Kopf liegt ein Kamm aus Knochen. Vorn teilt er sich und reicht bis zu dem Knochen am Auge. Der Hinterkopf ist lang. Der harte Gaumen ist länger als die halbe Schädel-Länge. In jeder Kieferhälfte gibt es vorn einen Schneidezahn. Er ist ein Nagezahn. Dann kommt eine Lücke. Im Oberkiefer folgen zwei vordere Backenzähne. Im Unterkiefer folgt ein vorderer Backenzahn. Danach kommen drei Backenzähne. Die Schneidezähne sind stark. Vorn haben sie gelben Schmelz. Der erste vordere Backenzahn oben ist sehr groß. Er ist fast doppelt so groß wie der zweite. Bei den oberen Backenzähnen ist der dritte am größten. Die unteren Backenzähne haben je zwei Seiten-Spitzen.

  • Lange Sätze wurden konsequent aufgelöst
  • Informationen wurden atomisiert (eine Information pro Satz)
  • Fachbegriffe wurden beibehalten, aber in einfacher Umgebung verwendet
  • Der Text ist stärker gegliedert, ohne inhaltlich zu kürzen

Auffällig ist:
Der Sachgehalt bleibt erhalten.
Was sich ändert, ist der Zugangsweg.

Kinder können den Text nun:

  • flüssig lesen
  • Informationen entnehmen
  • Fachwörter kennenlernen, ohne daran zu scheitern

Beispiel 2: Eine Streitgeschichte – zwei Klassenstufen, ein Inhalt

Im zweiten Beispiel wurde bewusst derselbe inhaltliche Kern genutzt: eine kurze Streit- und Versöhnungssituation auf dem Schulhof. Beide Geschichten wurde komplett durch den LIXoMaten erstellt

Version für Klasse 1 (LIX 19,4)

Auf dem Schulhof spielen Mia und Leo mit einem Ball.
Mia wirft zu doll, der Ball trifft Leos Rucksack am Boden.
Leo schreit: Hey, pass auf, das gefällt mir nicht!
Mia wird sauer und schreit auch sehr laut zurück.

Nun streiten sie, und das Spiel macht keinem mehr Spaß.
Beide stehen still und schauen auf ihre Schuhe.
Mia denkt nach und fühlt ein Ziehen im Bauch.
Sie geht zu Leo und sagt leise: Entschuldigung.

Leo atmet aus, nickt, und sein Gesicht wird wieder ganz weich.
Er sagt: Ich wollte nicht so laut sein.
Die Kinder sehen sich an und lächeln leise.
Sie denken: Wir wollen fair sein und wieder nett spielen.

Mia sagt: Du wirfst, ich fange, danach bist du dran.
Leo sagt: Okay, dann wechseln wir immer nach drei Würfen.
Sie üben das, und das Spiel läuft dann wieder gut.
Am Ende vertragen sie sich und sind wieder Freunde.

Erreichter LIX: 19,4 – Zielwert für Klasse 1: 19

Die Version für Klasse 1 arbeitet mit:

  • sehr kurzen Sätzen
  • überwiegend bekannten Wörtern
  • klaren Handlungsabfolgen
  • wenig Nebengedanken

Emotionen werden nicht beschrieben, sondern handlungsnah gezeigt („Mia denkt nach“, „Leo atmet aus“). Das entlastet junge Leserinnen und Leser, die sich noch stark auf das Dekodieren konzentrieren müssen.

Version für Klasse 4 (LIX 30,3)

Lina und Tom trafen sich nach der Schule auf dem Hof zum gemeinsamen Klettern. Sie wollten ausprobieren, wer den höchsten Turm aus Stöcken baut und die besten Ideen hat. Als Tom eine Regel änderte, fühlte sich Lina unfair behandelt und beide wurden sofort sauer. Sie schrien laut, schoben die Schuld hin und her, und die anderen Kinder traten zurück. Nichts ging mehr, bis Lina aus einer anderen Klasse ruhig fragte, was denn los war.

Tom erklärte hastig seine Sicht, Lina erklärte ihre, und beide sahen das große Missverständnis. Beide hatten vergessen, am Anfang die Regeln genau zu besprechen und Streit zu vermeiden. Sie atmeten tief durch, schauten sich an und sagten: Entschuldigung, das wollte ich nicht. Dann machten sie neue, klare Regeln und sprachen ab, immer zuerst ruhig zu reden. Tom zeigte, wie er die Stöcke gelegt hatte, Lina nickte dankbar, und am Ende verabredeten sie sich gemeinsam für morgen.

Erreichter LIX: 30,3 – Zielwert für Klasse 4: 30

Die Version für Klasse 4 enthält:

  • längere Sätze
  • mehr Perspektivwechsel
  • erklärende Passagen
  • abstraktere Begriffe wie „Missverständnis“ oder „Regeln besprechen“

Der Text fordert mehr Lesekompetenz, bleibt aber altersangemessen. Beide Texte erzählen dieselbe Art von Geschichte, aber auf sprachlich unterschiedlichen Ebenen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert