Die Erstellung von Wortspeichern gehört zum Standardrepertoire im kompetenzorientierten Grundschulunterricht. Dennoch zeigt die Praxis, dass der Aufwand für eine fachlich fundierte und zugleich sprachlich entlastende Aufbereitung oft unterschätzt wird. In diesem Beitrag betrachten wir die methodische Bedeutung von Wortspeichern und wie digitale Werkzeuge, insbesondere spezialisierte KI-Assistenten, diesen Prozess unterstützen können.
Der Wortspeicher: Definition und Funktion
Ein Wortspeicher ist ein zentrales Element des Scaffoldings (Gerüstbaus) im Unterricht. Er bündelt das fachspezifische Vokabular, das Schülerinnen und Schüler benötigen, um über einen Lerngegenstand angemessen kommunizieren zu können. Dabei geht es nicht um eine reine Vokabelliste, sondern um eine gezielte Auswahl von Begriffen, die den Übergang von der Alltagssprache zur Bildungssprache ebnen.
Ein fachlich korrekter Wortspeicher reduziert die kognitive Belastung (Cognitive Load). Indem die notwendigen Begriffe (Nomen, Verben, Adjektive) visuell und schriftlich präsent sind, können sich die Lernenden stärker auf die komplexen inhaltlichen Zusammenhänge konzentrieren, ohne durch fehlendes Vokabular blockiert zu werden.
Bedeutung für den sprachsensiblen Unterricht
In heterogenen Lerngruppen ist sprachsensibler Unterricht die Voraussetzung für fachliches Lernen. Der Wortspeicher erfüllt hierbei drei wesentliche Funktionen:
- Sicherung der Fachterminologie: Er stellt sicher, dass alle Kinder über dieselben Begriffe verfügen (z.B. „der Nordpol“ statt „oben am Magneten“).
- Aktivierung von Handlungswissen: Durch die Aufnahme themenspezifischer Verben (z.B. „verdrängen“, „schmelzen“, „addieren“) wird die Versprachlichung von Prozessen ermöglicht.
- Inklusionsleistung: Für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) oder Förderbedarfen im Bereich Sprache bietet der Wortspeicher mit den entsprechenden Artikeln und visuellen Ankern eine notwendige Orientierungshilfe.
KI-Assistenten als Unterstützung bei der Erstellung
Die manuelle Erstellung hochwertiger Wortspeicher ist zeitintensiv, da sie einen Abgleich zwischen dem Vorwissen der Kinder, den fachlichen Anforderungen und den Vorgaben des Lehrplans erfordert. Der Einsatz eines KI-Assistenten kann diesen Prozess optimieren, sofern er präzise instruiert wurde.
Der Vorteil eines spezialisierten Assistenten liegt in der systematischen Selektion:
- Abgrenzung von Inhalts- und Metasprache: Lehrpläne sind oft in Kompetenzformulierungen verfasst (z. B. „die Schüler dokumentieren ihre Ergebnisse“). Ein KI-Assistent kann so programmiert werden, dass er diese pädagogischen Prozessverben filtert und stattdessen die für das Kind relevanten Fachwörter auswählt.
- Kontextualisierung durch Lehrpläne: Durch die Einbindung offizieller Lehrplandokumente im Backend kann die KI das Thema in den korrekten fachlichen Kontext einbetten und sicherstellen, dass zentrale Unterthemen (z. B. „Sicherheit“ beim Thema Strom) berücksichtigt werden.
- Strukturierung: Die KI übernimmt die fehlerfreie Zuordnung von Artikeln und die Gruppierung nach Wortarten, was die Vorbereitungszeit erheblich verkürzt.
Implementierung: So wird der Assistent in Telli eingebunden
Die Plattform Telli ermöglicht es, solche spezialisierten Assistenten datenschutzkonform zu nutzen. Um einen eigenen Wortspeicher-Assistenten zu konfigurieren, sind folgende Schritte notwendig:
- Konfiguration: Im Bereich der System-Instruktionen wird die Rolle des Assistenten definiert (z. B. „Experte für Grundschuldidaktik“).
- Prompting: Hier wird die Logik hinterlegt, wie mit Nutzeranfragen umgegangen wird (Abfrage von Thema, Fach und gewünschter Wortanzahl). Besonders wichtig ist die Anweisung, Artikel zu ergänzen und nach Wortarten zu sortieren.
- Wissensbasis: Die entsprechenden PDF-Lehrpläne werden im Backend hochgeladen. Der Assistent nutzt diese Dokumente dann als Referenzrahmen für die inhaltliche Relevanz der Begriffe.
Der vollständige Prompt für den Wortspeicher-Assistenten:
Du bist ein didaktischer Assistent für Grundschullehrer in NRW. Dein Spezialgebiet ist sprachsensibler Unterricht (Scaffolding). Deine Aufgabe ist es, maßgeschneiderte Wortspeicher (Wortlisten) zu erstellen, die Schülerinnen und Schülern helfen, sich fachlich korrekt zu einem Thema auszudrücken.
Ablauf der Interaktion:
Schritt 1 (Start): Beginne das Gespräch immer mit einer freundlichen Begrüßung und stelle folgende Fragen:
"Zu welchem Thema und für welches Fach soll der Wortspeicher sein?"
"Wie umfangreich soll der Wortspeicher ungefähr werden? (z.B. ca. 10, 20 oder 30 Wörter?)"
Schritt 2 (Analyse & Selektion): Warte auf die Antwort des Nutzers. Erstelle dann den Wortspeicher basierend auf den unten stehenden Regeln. Orientiere dich strikt an der gewünschten Wortanzahl.
Regeln für die Erstellung:
Priorisierung nach Relevanz:
Da die Anzahl der Wörter begrenzt ist, wähle nur die wichtigsten Begriffe aus.
Frage dich: Ohne welches Wort kann man das Thema nicht erklären? (Kernvokabular vor Randvokabular).
Strikter Filter (Inhalt vs. Prozess):
ERLAUBT (Inhaltswörter): Wörter, die das Thema/den Gegenstand beschreiben. (Beispiel "Schwimmen": das Wasser, die Verdrängung, untergehen, schwer).
VERBOTEN (Prozesswörter/Metasprache): Wörter, die Arbeitsweisen beschreiben oder aus Kompetenzformulierungen stammen. (Beispiel: planen, vermuten, aufschreiben, diskutieren, markieren, präsentieren). Diese Wörter gehören NICHT in den fachlichen Wortspeicher.
Umgang mit Input:
Die erste Zeile des Inputs ist das Thema.
Bereinige die Input-Liste: Entferne Klammern oder Erklärungen hinter Wörtern. Nutze nur den Hauptbegriff.
Nutzung der Wissensbasis (Lehrplan):
Nutze die hochgeladenen Lehrpläne/Richtlinien nur, um den Kontext zu verstehen (z.B. "Welche Teilbereiche gehören laut Lehrplan in Klasse 3 zum Thema 'Strom'?").
Nutze dies, um fehlende, zentrale Fachbegriffe zu ergänzen, bis die gewünschte Anzahl erreicht ist.
Formatierung & Niveau:
Nomen: Immer mit bestimmtem Artikel (der, die, das).
Verben: Im Infinitiv.
Niveau: Kindgerecht (Grundschule Kl. 1-4), aber fachsprachlich korrekt.
Sortierung: Gruppiere nach Nomen, Verben und Adjektiven.
In meinem begleitenden Video erkläre ich die technische Umsetzung und das Prompting im Detail:
Von der Wortliste zur Visualisierung: Die Collect-Funktion
Ein rein textbasierter Wortspeicher ist für die Grundschule selten ausreichend; die Verknüpfung mit Bildern ist für das Verständnis essenziell. Hier setzt die neue Collect-Funktion meiner Bilder-Datenbank an.
Nachdem der KI-Assistent die Wortliste generiert hat, kann diese per Copy & Paste in das Collect-Tool übertragen werden. Die Datenbank gleicht die Begriffe sofort mit den vorhandenen Illustrationen ab und zeigt alle passenden Bilder übersichtlich an. Dies schließt die Lücke zwischen der digitalen Texterstellung und der finalen Materialgestaltung für den Klassenraum.
