Bei Lehrkräften ist nur die Unterrichtsverpflichtung in Stunden festgelegt. Alles andere — Konferenzen, Elterngespräche, Schulentwicklung – und bei Schulleitungen der ganze Leitungsanteil — ist Vertrauensarbeitszeit ohne Stundenmaß. Man arbeitet viel, man weiß es auch, aber man hat keine Zahl. In den Landesgesetzen ist für Beamte in NRW eine Arbeitszeit von 41 Wochenstunden vorgesehen – bei 30 Tagen Jahresurlaub. Mit den Schulferien gibt es aber 60 unterrichtsfreie Tage. Ich habe mir deshalb eine App gebaut, die genau diesen ungeregelten Teil sichtbar macht. Sie ist fertig und soll in den Play Store. Davor steht eine Hürde, die ich nicht allein nehmen kann: zwölf Menschen, die sie zwei Wochen lang ausprobieren.
Kurz gesagt
Wer ein Android-Telefon hat und Lust hat, zwei Wochen lang eine Zeiterfassung zu benutzen, schreibt mir die E-Mail-Adresse seines Google-Kontos an florian@foerster.rocks. Dann bekommt sie/er einen Einladungslink, installiert die App aus dem Play Store wie jede andere — und sagt mir danach, was gut war und was nicht. Kostenlos, ohne Werbung, ohne Konto, ohne dass irgendein Datum das Telefon verlässt. Die Einzelheiten stehen unten.
Warum keine der vorhandenen Apps passte
Zeiterfassungs-Apps gibt es zuhauf. Sie scheitern aber alle an denselben drei Stellen, sobald man sie auf eine Schule loslässt.
Sie verteilen das Soll gleichmäßig über die Woche. Wer Montag bis Donnerstag arbeitet und am Montag krank wird, verliert ein Viertel seiner Woche, nicht ein Fünftel. Wer die Stunden ungleich legt, bekommt für einen Krankheitstag mal neun Stunden gutgeschrieben und mal fünf — je nachdem, welcher Tag ausfällt. Eine App, die stur durch fünf teilt, rechnet an dieser Stelle schlicht falsch.
Sie kennen die Schulferien nicht — oder behandeln sie als Urlaub. Das ist der Punkt, an dem es für Lehrkräfte interessant wird: Unterrichtsfreie Zeit, die nicht als Urlaub eingetragen ist, bleibt Arbeitszeit mit vollem Soll. Genau in den Ferien wird ja das gemacht, wofür im Schuljahr keine Zeit war. Eine App, die sechs Ferienwochen automatisch vom Soll abzieht, macht aus einem Plus ein Minus und aus der ganzen Rechnung Unsinn.
Sie wollen ein Konto und eine Cloud. In einer Zeiterfassung einer Lehrkraft stehen ggf. Notizen, in denen Namen vorkommen können. Das gehört nicht auf einen fremden Server.
Ein Knopf, ein Tipp
Die Erfassung musste schnell genug sein, um sie wirklich durchzuhalten. Ein großer Knopf startet; während etwas läuft, teilt er sich in Pause und Stoppen. Darunter stehen die zuletzt gebrauchten Kategorien als Leiste, dahinter führt Alle zur vollständigen Liste mit Suche.
Der Kategorienwechsel braucht kein Stoppen: Der laufende Eintrag endet und der neue beginnt im selben Augenblick, auf die Millisekunde, ohne Lücke. Das klingt nach einer Kleinigkeit und ist in der Praxis der Unterschied zwischen einer App, die man benutzt, und einer, die man nach drei Tagen wieder löscht. Eine Pause merkt sich, womit es weitergeht, und bietet danach Weiter an — die Pausenzeit selbst wird nie erfasst.

Starten und Stoppen geht auch, ohne die App zu öffnen: über ein Widget auf dem Startbildschirm (in der großen Fassung mit drei frei belegbaren Kategorie-Tasten), über eine Kachel in den Schnelleinstellungen oder direkt aus der mitlaufenden Benachrichtigung.
Das Soll, ehrlich gerechnet
Das Wochensoll wird nicht durch fünf geteilt, sondern je Wochentag eingestellt — mit einem Schieberegler, in Fünf-Minuten-Schritten; ganz links heißt freier Tag. Ein Wochenende braucht dadurch keine Sonderregel: Samstag und Sonntag stehen auf null, und wer samstags arbeitet, trägt dort eben Stunden ein.
Dazu kommt eine Eigenheit, die im Schulalltag wirklich vorkommt: Ändert sich die Verteilung mitten im Schuljahr, bleibt die Zeit davor unberührt. Die Verteilung ist keine einzelne Einstellung, sondern eine Reihe von Stundenplänen mit je einem Stichtag. Jeder Kalendertag wird mit dem Plan gerechnet, der an ihm galt. Ohne diese Geschichte würde eine Änderung im Februar den vergangenen August still mitrechnen.

Was das Soll mindert und was nicht, ist die eigentliche inhaltliche Festlegung der App:
| Anlass | mindert das Soll |
|---|---|
| Wochenende | ja |
| Gesetzlicher Feiertag | ja |
| Eingetragener Urlaub | ja |
| Krankheit | ja |
| Schulferien | nein |
| Unterrichtsfrei | nein |
| Fortbildung | nein |
Die Ferien stehen im Verlauf nur zur Einordnung und machen es leicht, die tatsächlich genommenen Urlaubstage einzutragen — mit einem Tipp lässt sich die ganze Ferienspanne übernehmen.
Was dabei herauskommt
Nach ein paar Wochen steht da eine Zahl, die man vorher nicht hatte: das Saldo gegen das Soll, je Schuljahr und über alle zusammen. Daneben die genommenen Urlaubstage gegen den Jahresanspruch.


Im ältesten Schuljahr beginnt die Rechnung übrigens nicht am 1. August, sondern am ersten Tag, zu dem überhaupt etwas erfasst ist. Ein Soll für die Zeit davor wäre eine Schuld, die niemand eingegangen ist — wer die App im Oktober einrichtet, soll nicht mit einem erfundenen Minus dastehen.
Nachtragen, weil der Alltag dazwischenkommt
Keine Erfassung überlebt den Schulalltag ohne Korrekturen. Der Verlauf zeigt Woche und Monat, Einträge lassen sich bearbeiten, löschen und nachträglich anlegen. Wochenenden, Feiertage und Ferien sind farblich abgesetzt, und der Anlass steht jeweils als Text daneben — die Farbe muss die Aussage nicht allein tragen.
Zwei kleine Hilfen, die aus dem eigenen Gebrauch entstanden sind: eine Erinnerung, wenn ein Eintrag ungewöhnlich lange läuft (man vergisst das Stoppen), und eine Rückfrage beim nächsten Öffnen, wenn einer über Mitternacht gelaufen ist — mit dem Vorschlag, die letzte Aktivitätszeit zu nehmen.

Die Daten bleiben, wo sie hingehören
Die App hat keine Internet-Berechtigung. Sie kann nichts senden — nicht, weil sie es verspricht, sondern weil Android es ihr nicht erlaubt; nachlesbar im Manifest. Kein Konto, keine Anmeldung, keine Analyse-Bibliothek, keine Werbung, keine Kennung. Auch Androids eigene Sicherung in die Google-Cloud ist abgeschaltet, damit nicht das Betriebssystem überträgt, was die App selbst nicht übertragen kann.
Dafür sichert die App selbst: vollständig als JSON, auf Wunsch wöchentlich von allein in einen Ordner, den du bestimmst. Dazu Ausgaben als CSV — die Einträge einzeln oder eine Wochenübersicht mit je einer Spalte pro Kategorie, Semikolon und Dezimalkomma, in Excel ohne Nacharbeit lesbar. Und wer schon mit einem anderen Programm gestempelt hat, kann dessen CSV mit den Tagessummen einlesen. Wohin die Sicherungen gehen, entscheidest allein du — auch in einen Cloud-Ordner, wenn du das willst. Die Datenschutzerklärung steht hier.
Was die App ausdrücklich nicht ist
- Keine Kontrolle von oben. Sie ist für einen einzigen Menschen auf einem einzigen Telefon gebaut. Es gibt keine Nutzerverwaltung, keine Auswertung über mehrere Personen, nichts, was sich ins Kollegium ausrollen ließe. Sobald andere erfassen, wären Mitbestimmung und ein Datenschutzkonzept zu klären — das ist ein anderes Projekt und ausdrücklich nicht dieses.
- Keine Rechtsauskunft. Die Startwerte — 41 Wochenstunden, 30 Urlaubstage, Schuljahresbeginn am 1. August — sind Vorschläge. Sie unterscheiden sich nach Land, Schulform und Lebensalter und sind alle änderbar.
- Keine Pflichtstundenrechnung. Die Pflichtstundenzahl ist eine rechnerische Größe, in der Vor- und Nachbereitung bereits enthalten sind; eine Anrechnungsstunde entbindet von einer Unterrichtsstunde samt diesem Anteil. Gegen gestoppte Zeit lässt sich das nicht stellen, also führt die App es gar nicht erst.
- Kein iPhone. Android ab Version 8.
Zwölf Testerinnen und Tester, vierzehn Tage
Und damit zu der Bitte. Google verlangt von kleinen Entwicklerkonten, dass eine neue App vor der Veröffentlichung einen geschlossenen Test durchläuft: mindestens zwölf Personen, die vierzehn Tage lang durchgehend angemeldet bleiben. Fällt die Zahl zwischendurch unter zwölf, beginnt die Frist von vorn. Ohne diese zwei Wochen gibt es keinen Weg in den Play Store.
So geht es
- Schreib mir die E-Mail-Adresse deines Google-Kontos an florian(at)foerster.rocks — also die Adresse, mit der auf deinem Telefon der Play Store läuft. Eine andere funktioniert leider nicht; so ist der geschlossene Test gebaut.
- Du bekommst einen Einladungslink. Einmal antippen, Teilnahme bestätigen — danach steht Schulzeit für dich ganz normal im Play Store.
- Installieren und benutzen. Am besten so, wie du es wirklich tun würdest: ein paar Kategorien umbenennen, das Wochensoll auf deine Verhältnisse stellen, und dann vierzehn Tage lang stempeln.
- Die App bitte die vollen zwei Wochen installiert lassen. Das ist der eine Punkt, auf den es für die Freigabe ankommt — benutzt du sie in der Zeit wenig, ist das kein Beinbruch.
- Sag mir, was war. Eine E-Mail genügt, gern bis zum 1. Dezember 2026.
Worüber ich mich bei der Rückmeldung besonders freue
- Welches Telefon und welche Android-Version — damit ich Fehler zuordnen kann.
- Was beim ersten Öffnen unklar war. Der erste Eindruck ist der einzige, den man nicht wiederholen kann, und ich habe ihn längst verloren.
- Ob die Erfassung schnell genug ist, um sie durchzuhalten. Das ist die entscheidende Frage der ganzen App.
- Ob die Rechnung für deine Verhältnisse aufgeht — anderes Bundesland, Teilzeit, ungleich verteilte Tage, andere Schulform.
- Alles, was abgestürzt ist, hängengeblieben ist oder eine falsche Zahl gezeigt hat.
- Was du erwartet hast und nicht gefunden hast.
Wer dafür passt
Am meisten lerne ich von Schulleitungen und Lehrkräften, weil die App für diesen Alltag gebaut ist. Nötig ist das aber nicht: Die Rechnung mit Soll, Saldo und ungleich verteilten Wochentagen stimmt für jede Vertrauensarbeitszeit. Wer also Lust hat, seine Arbeitszeit zwei Wochen lang zu beobachten, ist willkommen — auch außerhalb der Schule. Ein Android-Telefon ab Version 8 und ein Google-Konto genügen.
Was mit deiner Adresse passiert
Die E-Mail-Adresse brauche ich allein, um dich in die Testerliste der Play Console einzutragen — anders lässt sich ein geschlossener Test nicht aufsetzen. Sie geht an niemanden sonst, und nach dem Ende des Tests nehme ich die Liste wieder heraus. Aus der App selbst bekomme ich ohnehin nichts: keine Zeiten, keine Notizen, keine Einstellungen. Was du erfasst, sehe ich nie.
Häufige Fragen
Kostet das etwas?
Nein. Keine Kosten, keine Werbung, keine Käufe in der App, kein Abonnement. Auch nach dem Test nicht.
Muss ich etwas Besonderes installieren?
Nein. Nach der Bestätigung der Einladung kommt die App aus dem Play Store wie jede andere, mitsamt Aktualisierungen. Keine fremden Quellen, keine APK-Datei von Hand.
Was passiert nach den zwei Wochen?
Du kannst die App behalten und weiter benutzen oder sie löschen — beides ist völlig in Ordnung. Beim Deinstallieren verschwinden alle Daten mit; wer sie behalten will, schreibt sich vorher eine Sicherung heraus.
Und wenn ich merke, dass es nichts für mich ist?
Dann sag mir bitte genau das, am besten mit dem Grund. Das ist eine der nützlichsten Rückmeldungen überhaupt. Schön wäre nur, wenn die App bis zum Ende der vierzehn Tage installiert bliebe — danach darf sie weg.
Gibt es die App auch für iOS?
Nein, und das wird vorerst auch so bleiben.
Also: Wenn du ein Android-Telefon hast und zwei Wochen übrig, schreib mir die Adresse deines Google-Kontos an florian(at)foerster.rocks. Zwölf Leute brauche ich. Danke.
